Lindner verklagt Satiremagazin „Titanic“ wegen Cover
Im Januar erschien das Satiremagazin „Titanic“ mit einem Cover, das ein Bild von Ex-Finanzminister Christian Lindner (FDP) und seiner schwangeren Ehefrau Franca Lehfeldt zeigte. Dazu war ein falsches Ultraschallbild, in das ein Chart mit einem nach unten verlaufenden Liniendiagramm montiert. Mit der Schlagzeile „Baby-Glück im Eimer. Es wird ein Low-Performer! Lindner stellt Eilantrag zur Abschaffung von §218“ griff die Redaktion zwei politische Themen auf, zu denen sich Lindner als Finanzminister geäußert hatte: die angeblich mangelnde Leistungskultur in Deutschland und die Abschaffung des Paragrafen 218, der Schwangerschaftsabbrüche verbietet. Abtreibungen sind in Deutschland grundsätzlich rechtswidrig, aber in bestimmten Fällen straffrei.
Ende Februar kündigte das Ehepaar an, juristisch gegen die Redaktion vorzugehen. Es sah seine Persönlichkeitsrechte verletzt und wollte erreichen, dass die Verbreitung der Januar-Ausgabe gestoppt wird. Für ihren Anwalt Christian Schertz handele es sich um eine „grundlose und auch bezugslose falsche Unterstellung eines gewollten Abbruchs werdenden Lebens.“
Mit Satire habe dies nichts zu tun. Es gebe keinerlei „Anknüpfungstatsachen“, die eine „derartige menschenverachtende Darstellung“ rechtfertigen könnten. Die Grenzen der Kunstfreiheit seien überschritten, die Grundrechte Lindners und Lehfeldts missachtet.
Nun ergreift Lindner im Streit mit der „Titanic“ weitere juristische Schritte: Der 46-Jährige habe eine Klage angekündigt, heißt es in einer Pressemitteilung des Frankfurter Satiremagazins, über die der „Spiegel“ zuerst berichtete.
Den jüngsten Vorgang im „juristischen Kleinkrieg“ kommentierte es ironisch: „Dass Herr Lindner als werdender Vater überhaupt noch Zeit findet, Quatschmagazine zu lesen oder täglichen Kontakt mit seinem Anwalt zu halten, verwundert die gesamte Redaktion. Sie wünscht ihm aber alles Gute bei seinen Bemühungen, mit Prozesshanselei die Geburt und die ersten Wochen seines Erstgeborenen zu verpassen.“
Titanic: „Klagen sind nur dornige Abowerbungen“
Die „Titanic“ freute sich in der Pressemitteilung über Lindners juristisches Vorgehen – „denn Klagen sind nur dornige Abowerbungen“. Diese Formulierung ist eine Anspielung auf ein frühes Lindner-Zitat von 1997. In einem alten Video sagte der damals 18-Jährige: „Probleme sind nur dornige Chancen.“ Zudem stelle man mit den „gewonnen Lindner-Millionen“ die „satirische Bearbeitung“ des ehemaligen Finanzministers „auf Jahrzehnte sicher“.
Die „Titanic“ schreibt weiter: In der Redaktion wolle man sich künftig wieder auf das Tagesgeschäft fokussieren, und auch Lindner solle sich auf seine Kernkompetenzen besinnen: „Volkswirtschaften ruinieren, Unternehmen pleitegehen lassen, Parteien unter die Fünfprozenthürde verschlanken.“
Das Magazin nutzt die juristische Auseinandersetzung, um für Spenden zu werben. Auf der Website gibt es eine eigene Rubrik „Lindner vs. Titanic“. Dort findet sich dieser Text: „Free-Speech-Visionär Christian Lindner will einen Titanic-Titel verbieten lassen, denn es ist besser, Satire falsch zu verstehen, als sie nicht zu verstehen. Jetzt Totalverweigerer sanktionieren und endgültige Satire unterstützen!“ Es ist eine weitere Anspielung auf Lindners wahrscheinlich bekanntestes Zitat: „Es ist besser, nicht zu reagieren als falsch zu regieren“ nach dem Platzen der Jamaika-Koalitionsverhandlungen im November 2017.