Millionen mehr Aids-Tote wegen US-Mittelkürzung befürchtet
Die Vereinten Nationen warnen nach dem Stopp von US-Hilfsgeldern vor einem drastischen Anstieg der HIV-Infektionen und Millionen zusätzlichen Aidstoten. Sollte die von der US-Regierung eingefrorene Unterstützung nicht wiederhergestellt oder ersetzt werden, könnte es weltweit täglich 2.000 neue HIV-Infektionen und eine Verzehnfachung der aidsbedingten Todesfälle geben, teilte das UN-Aids-Programm (UNAIDS) mit.
"Dieser plötzliche Entzug der US-Finanzierung hat zur Schließung vieler Kliniken und zur Entlassung Tausender Gesundheitsfachkräfte geführt. All dies bedeutet, dass wir mit einem Anstieg der Neuinfektionen rechnen müssen", sagte UNAIDS-Direktorin Winnie Byanyima. Nach Berechnungen der Organisation sind ohne die
US-Gelder in den kommenden vier Jahren 8,7 Millionen zusätzliche
Infektionen und 6,3 Millionen zusätzliche Todesfälle zu befürchten.
Gesundheits- und Nothilfeprogramme in rund 120 Ländern
US-Präsident Donald Trump hat eine weitgehende Auflösung der US-Entwicklungsbehörde USAID angeordnet. Die USA wollen nach Regierungsangaben 83 Prozent der USAID-Programme streichen, da diese Ausgaben nicht den nationalen Interessen entsprächen. Das Budget der Organisation betrug im Jahr 2024 nach ihren Angaben rund 220 Millionen Dollar und wurde gut zur Hälfte von den USA finanziert. USAID unterhält bislang Gesundheits- und Nothilfeprogramme in rund 120 Ländern in aller Welt.
Byanyima bezeichnete es als nachvollziehbar, dass die USA ihre Finanzierung von Hilfsprojekten in aller Welt zurückfahren wollten. Viele Regierungen in Afrika arbeiteten hart daran, ihre eigenen Beiträge für die Gesundheitsversorgung zu erhöhen. Aber der plötzliche und abrupte Rückzug der USA hätte verheerende Folgen, sagte sie.
Es gebe bislang keine Geldgeber, die angeboten haben, die Ausfälle zu kompensieren. Sollten die US-Mittel langfristig nicht ersetzt werden, würden die Todeszahlen auf ein ähnliches Niveau steigen wie auf dem Höhepunkt der Aids-Pandemie in den Achtziger- und Neunzigerjahren, warnte die UNAIDS-Chefin. Die Fortschritte der vergangenen 25 Jahre im Kampf gegen die Immunschwächekrankheit wären damit dahin, sagte Byanyima.
UNAIDS-Direktorin sieht guten Deal für Trump
Byanyima sprach zugleich von einem guten Deal, den US-Präsident Donald Trump eingehen könnte: HIV-Infektionen würden vielerorts heutzutage durch ein zweimal im Jahr verabreichtes Mittel des US-Unternehmens Gilead verhindert. Wenn dieser Stoff weiterhin an alle Gefährdeten ausgeliefert werde, könne das Unternehmen riesige Gewinne einfahren, sagte sie.
2023 gab es nach Angaben von Byanyima weltweit 1,3 Millionen neue Ansteckungen und 600.000 Todesfälle durch Aidskomplikationen.